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(© 2001) "Der Sound dieser Band erinnert irgendwie an gotische Kathedralen." Diese doch recht eigenwillige Feststellung und Interpretation eines Konzertkritikers nach dem Genuß eines JOY DIVISION-Konzertes im Jahre 1979 sollte zunächst noch keine Auswirkung auf den Namen und Stil eines Musikgenres haben, das später den Namen Gothic - Rock tragen sollte. Der Fingerzeig dieser Worte wies, unbedacht und unschuldig hervorgebracht, in eine Zukunft, in der sich eine neue Musikrichtung mitsamt dazugehöriger Szene mehr oder weniger in aller Welt verbreiten sollte. Gothic, das war und ist mehr als eine Musikrichtung, wenn auch hier im MUSIC SPECIAL das Hauptaugenmerk auf der entsprechenden Musik liegen soll. Gothic, das ist eine eigene Szene, eine eigene Subkultur. Wie in anderen Szenen auch, ging und geht es den Gothic-Anhängern, im Volksmund auch oft als Grufties belächelt, um das gewollte Abgrenzen und Hervorheben der eigenen Persönlichkeit gegenüber dem Rest der Gesellschaft. BAUHAUS - Dark Entries Die Gothic-Musik und die Gothic-Szene entstanden Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre und haben ihre Wurzeln im Punk. Punk überzog seit Mitte der 70er Jahre die britischen Inseln und Westeuropa und vermittelte die Botschaft, daß eigentlich jeder Musik machen kann, der sich nur traut. Neue Bands schossen wie Pilze aus dem Boden. Doch schon bald war der Boom vorbei. Punk wurde von der Musikindustrie und den Medien gnadenlos kommerziell ausgeschlachtet. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Bands, die Punk sowieso nur als Sprungbrett oder Medium der musikalischen Selbstverwirklichung nutzten, einem eigenen Stil, neuen Experimenten und tiefgründigeren Themen zuwandten. Ureigenste musikalische Vorlieben wurden wieder hervorgekehrt, man widmete sich philosophischen und religiösen beziehungsweise antireligiösen Themen und zeigte, daß man sich mit Kant, Nitzsche, Sartre oder Crowley auskannte. Musikalisch schaltete man einen Gang zurück, die Sounds wurden getragener und differenzierter. Die Texte der Songs handelten verstärkt von vertanen Chancen, Alltagstristesse, Isolation und Verzweiflung, menschlichen Tragödien, Schmerz und Trennung, Tod und Trauer, religiösem Wahn und sexuellen Begierden. Das Auftreten dieser Bands wirkte nicht selten genug introvertiert und reduziert in den Bewegungen auf der Bühne, im Kontrast standen dazu urplötzliche emotionale Ausbrüche, Zeichen von Agonie und Hilflosigkeit, die sich in einem Ausbruch von Wut entluden. PLAY DEAD - The Tenant Diese neuen Bands mit dem Depro-Touch verklärten die Welt als unwirtlichen, apokalyptischen Ort, ihre Statements waren geschwängert von unheilvollen Metaphern und mystischen Gleichnissen. Gleichzeitig forderte man zu einem lustvollen, makabren und ausschweifenden "letzten Tanz" auf, um das Leben und die Welt noch einmal so richtig zu genießen, bevor es zu spät ist und alles zu Ende geht. "Wenn schon das Ende kommt, dann wollen wir noch irgendwas daraus machen", lautete das Motto, und dieses Motto hat auch für heutige Gothic-Anhänger noch Gültigkeit. Das ständig nach Etiketten und Schubladen suchende Musikbusiness nannte diese Bands und ihre Musik Post Punk. Und es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis sich für diese musikalische Mixtur aus Punk, Rock, Psychedelic, Glam-Trash und Schwermut der Begriff Gothic etablieren würde. DANSE SOCIETY - We're So Happy Immer mehr Bands wählten die morbid-düstere Ausdrucksform für ihre Musik. Mit den Bands wuchs auch die Anhängerschaft, die deren schwarze Weltanschauung teilte und diese nun selbst mit ihren Persönlichkeiten zur Schau trug. Schwarze phantasievolle Kleidung, bleiche Gesichter und ausuferndes Make Up, gepaart mit schwarzen Trauerweidenfrisuren der Marke Robert Smith wurden ihr Markenzeichen. Die Symbole des Horrors und des Todes, in Verbindung mit der einhergehenden Affinität zu den phantastischen Gothic-Novels, den Schauerromanen des 18. und 19. Jahrhunderts, plus der Horrorfilmkunst des frühen 20. Jahrhunderts gab diesem Spektakel endlich einen Namen. Gothic-Rock war geboren. SOUTHERN DEATH CULT - Fatman Zum Mittelpunkt und Heiligtum der frühen Gothic-Szene avancierte Anfang der 80er der sagenumwobene Batcave Club in London. Das Batcave gilt als die erste Gothic-Disco der Welt. Ebenfalls absolvierten dort Bands wie ALIEN SEX FIEND, SEX GANG CHILDREN, SOUTHERN DEATH CULT, PLAY DEAD, SPECIMEN und viele andere mehr ihre ersten Auftritte. Die meisten dieser Bands sind zwar heute nicht mehr existent, zählen aber zu den frühen Gothic-Kultbands. Auch wurden eine ganze Reihe von Gruppen in den Gothic-Strudel hineingezogen, die dort gar nicht so recht hineinpaßten, wie etwa KILLING JOKE oder ECHO & THE BUNNYMEN. Desweiteren gab es Bands, die ihrerseits mit Gothic nichts am Hut haben wollten, Beispiele dafür sind THE CURE oder THE SISTERS OF MERCY. THE SISTERS OF MERCY - Alice Ironischerweise sind es gerade Bands wie THE SISTERS OF MERCY und THE CURE, die repräsentativ für die Gothic-Szene wurden und mit ihrer Musik reihenweise andere Bands beeinflußten. Außerdem dürften diese beiden Gruppen auch jedem Nicht-Gothic bekannt sein. Gothic-Rock begann, sich über den Rest der Welt auszubreiten. In aller Herren Länder entstanden neue Bands und neue Szenen. Und gab es anfangs nur gitarrenorientierten Gothic-Rock, entstanden in den 80ern weitere Spielarten dunkler Musik. Zu nennen wäre da zuallererst Darkwave, entstanden aus der New Wave Musik der späten 70er und frühen 80er. Darkwave und Gothic-Rock bilden die beiden Hauptstilrichtungen dunkler Musik, wobei sich beide Stile auch miteinander vermischten und bei vielen Bands auch nicht mehr eindeutig zu trennen sind. CLAN OF XYMOX - A Day Von Darkwave war es nicht weit bis Electro, diese rein elektronische Musik mit zum Teil sehr harten Rhythmen prägte besonders seit Anfang der 90er Jahre die dunkle Musikszene. Generell standen die 90er im Zeichen des Crossovers. Jeder noch so gegensätzliche Stil wurde miteinander vermischt. Dieser Trend machte auch vor der Gothic-Szene nicht halt. So verbanden auch einige Bands harte Metalriffs mit düsteren Gothic-Klängen und teilweise mit Elementen aus der Klassik, schon war eine neue Stilkrichtung geboren: Gothic-Metal. Wichtige Vertreter dieser Richtung waren zum Beispiel PARADISE LOST, THEATRE OF TRAGEDY oder auch CREMATORY. Gothic-Metal war die wohl wichtigste Strömung düsterer Musik in den 90ern, war sie doch kommerziell relativ erfolgreich und bereitete den Boden für weitere Musikrichtungen, die in die Gothic-Szene Einzug halten sollten. CREMATORY - Tears Of Time Gothic um die Jahrtausendwende: Nie war die Szene vielschichtiger als heute. Verschiedenste Musikrichtungen haben in die Gothic-Szene Einzug gehalten. Und Gothic-Musik ist heute ein sehr weites Feld. Gothic wird wahrscheinlich nie eine riesige Volksbewegung werden, aber durchaus unsere Zukunft mitprägen. Und Bands wie zum Beispiel RAMMSTEIN, MARILYN MANSON oder auch H I M sorgen dafür, daß sich immer wieder Menschen für Gothic interessieren und damit auch die Szene am Leben erhalten. An dieser Stelle endet er, der Versuch einer kurzen Einführung in die Geschichte und die Gegenwart der Gothic-Szene. In den nächsten Teilen dieser Reihe widme ich mich der Geschichte einzelner Bands, die in meinen Augen wichtig für die Gothic-Szene waren oder auch sind. BURNING GATES - Dancing In The Mirror |
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