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(© 1999 - 2000) "Und am Anfang war da ein verwahrlostes Loch in Leeds." So beginnt 1980 die Geschichte der SISTERS OF MERCY, aber eigentlich beginnt sie schon viel früher. Am 15. Mai 1959 wurde Andrew Eldritch, bürgerlich Andrew Taylor, auf Ely, einer Insel im Osten Englands geboren. Sein Vater war bei der Royal Air Force und wurde häufig an einen anderen Standort versetzt. So kam es, daß Andrew circa 14 verschiedene Schulen an verschiedenen Orten besucht hat. 1977 schrieb er sich an der Oxford University für einen Französisch- und einen Deutschkurs ein. Schnell frustriert von seinem gewählten Stoff, kam Eldritch der Gedanke, daß er lieber chinesisch lernen würde. Da dies in Oxford nicht möglich war, ging er nach Leeds, um seine Studien an der dortigen Universität fortzuführen. In Leeds beginnt dann auch die eigentliche Geschichte der SISTERS OF MERCY, in dem schon erwähnten "verwahrlosten Loch", wo Eldritch wohnte. Andrew Eldritch erzählt im Booklet der CD "Some Girls Wander By Mistake" wie er sich erinnert: "Ich bin nach Leeds gekommen, um chinesisch zu lernen und wohnte über der Apotheke mit Claire und Spiggy, der Katze. Eines Tages traute ich mich, das Schlagzeug aufzubauen, das jemand bei mir im Keller untergestellt hatte. Ich kann jetzt noch nicht Schlagzeug spielen, aber ich war bestimmt der einzige Drummer in der Stadt, bei dem man sicher sein konnte, daß er nichts kompliziertes spielen kann." Nicht lange darauf wurde Eldritch gebeten, für eine Band zu trommeln, die von Gary Marx, bürgerlich Mark Pearman, gegründet werden sollte. Gary und Andrew kannten sich aus dem F-Club, dem zu jener Zeit wohl angesagtesten Szeneclub in Leeds. Beide einte eine musikalische Vorliebe für die STOOGES, THE FALL oder PERE UBU. Sie nannten ihre gemeinsame Band THE SISTERS OF MERCY, zu deutsch Schwestern der Barmherzigkeit, nach einem LEONARD COHEN Song aus dem Jahre 1968. Ihr erstes Ziel war nicht live aufzutreten, sondern zunächst wollten sie erst einmal eine Platte aufnehmen, um sich selbst im Radio hören zu können. THE DAMAGE DONE Das ist sie, die erste Sisters-Single von 1980: "The Damage Done". Neben dem Titelstück enthält die Single das schon vorhin gehörte Stück "Watch" sowie "Home Of The Hit-Men", obwohl das letztere Stück so kurz ist, daß es kaum einen Song im herkömmlichen Sinne bildet. Eher wirkt es mit seinen 30 Sekunden Spieldauer wie eine vertonte Auslaufrille. "The Damage Done" wurde auf dem Sisters-eigenen Merciful Release Label herausgebracht. Das Label war das Geisteskind von Andrew Eldritch und wurde geschaffen, damit Andrew über alles, was die Sisters angeht, angefangen von der Covergestaltung über die Musik bis hin zur Präsentation in den Medien, die volle Kontrolle behielt. So gestaltete er auch das Merciful Release Logo, das seitdem auch stellvertretend für den Namen der Sisters steht: Die stilisierte Darstellung eines sezierten menschlichen Kopfes vor einem fünfzackigen Stern. "The Damage Done", für deren Produktion sich Eldritch und Marx das Geld leihen mußten, wurde in einer Auflage von 1 000 Kopien gepreßt und ist jetzt die rarste und teuerste offizielle Sisters-Platte. Es wurde auch eine Fülle von Bootlegsingles gepreßt, um die Nachfrage zu befriedigen. Das Original erkennt man an den Worten "A Porky Prime Cut" und "For Spiggy", die in die Auslaufrille gekratzt wurden. Nach ein paar einzelnen Einsätzen in Radio One's John Peel Show schlug die Platte nicht national ein, sondern bekam eher nur lokale Resonanz. Die Band selbst und insbesondere Andrew Eldritch begann früh, die Platte mit etwas Verlegenheit zu betrachten. HOME OF THE HIT-MEN Rund 6 Monate später versuchte das Paar Eldritch / Marx ernsthaft eine Gruppe zu formieren. Zu diesem Zwecke rekrutierten sie den Bassisten Craig Adams, geboren am 04. April 1962 in Otley, Yorkshire. Adams spielte vorher bei der Band EXPELAIRES und wohnte 1980 in direkter Nachbarschaft von Andrew Eldritch. Er hatte diesen Bass Sound, der von da an die Sisters kennzeichnen sollte. Auch der Name John Langford wird oft in Verbindung gebracht mit den frühen Sisters, seine Beteiligung war aber ausgesprochen minimal. Langford war ursprünglich der Schlagzeuger der MEKONS und später Gitarrist bei den THREE JOHNS. In der Zwischenzeit gastierte er als Bassist auf einem einzelnen Sisters-Gig in York. Auf ein richtiges Schlagzeug verzichteten die Sisters von da an auch. Andrew Eldritch beschrieb das in einem Interview für das "Propaganda"-Fanzine 1985 wie folgt: "Ich war ursprünglich der Schlagzeuger und nach über 6 Monaten entschieden wir, daß jemand den Gesang übernehmen muß. Jetzt, nur durch Versäumnis, stellte es sich heraus, daß ich es sein sollte. Da ich aber nicht gleichzeitig trommeln und singen kann, kauften wir eine Maschine. Hätten wir die Möglichkeit gehabt, eine Maschine für den Gesang zu kaufen, würde was ganz anderes dabei herausgekommen sein." Diese Maschine, Fabrikat und Modell sind nicht mehr zu ermitteln, bekam den Namen Dr. Avalanche, zu deutsch Dr. Lawine, und der steht seitdem für alle Drum-Maschinen der SISTERS OF MERCY. FLOORSHOW (1981) Die SISTERS OF MERCY kehrten 1981 ins Aufnahmestudio zurück und nahmen 4 Stücke auf, welche für eine Singleveröffentlichung vorgesehen waren. Bekannt sind diese Stücke als die "Floorshow EP", offiziell veröffentlicht wurden sie aber nicht. Allerdings sind sie als Bootlegsingle erhältlich. Neben dem Titelstück "Floorshow", in einem anderen Mix dann 1982 offiziell veröffentlicht, enthält die EP noch die Songs "Lights", "Teachers" und "Adrenochrome". Die beiden letztgenannten sind miteinander verbunden und haben eine Gesamtspielzeit von über 7 Minuten. Die "Floorshow EP" zeigt bereits das immense Potential, das in der Band steckte. Während "Floorshow" die scharfe Gesellschaftskritik, zu der die Sisters fähig waren, veranschaulicht, offenbarte "Lights" eine andere musikalische Facette der Band. Das Tempo ist sehr langsam und erzeugt eine bedrohliche Atmosphäre, wenn Andrew Eldritch eine schwarze Landschaft von seinem nächtlichen Aussichtspunkt beschreibt. "Teachers" geht dann wieder etwas heftiger zur Sache und ist eine vernichtende Abrechnung mit den moralistischen Belehrungen, welche den Individuen von Seiten des Staates aufgezwungen wurden. Der Song "Adrenochrome", ebenfalls 1982 dann in einem anderen Mix offiziell veröffentlicht, ist wohl eine der frühen Sisters-Hymnen schlechthin. Durch Verwendung des Bandnamens im Text war es sofort zu erkennen wenn es live gespielt wurde, und der Ruf "wir kennen die Worte, wir wissen Bescheid, wir wissen, wofür wir gekämpft haben" hatte immer einen etwas persönlichen Eindruck auf die Sisters-Anhängerschaft gemacht. ADRENOCHROME (Live) Nach allen Studioaktivitäten waren die SISTERS OF MERCY nun endlich bereit, das erste Mal live zu spielen. Der erste Sisters-Gig fand am 04. April 1981 in der Universität von York statt, als Support für die damals noch experimentellen THOMPSON TWINS. Das Konzert bestand aus den Titeln "The Damage Done", "Watch", "Good Things" und "Adrenochrome" sowie aus 2 Coverversionen: "1969" von den STOOGES und "Sister Ray" von VELVET UNDERGROUND. Auf der Bühne protzten die Sisters schamlos mit ihren Vorbildern und machten jede Menge Gebrauch von vielen etablierten Rock-Klischees. Dasselbe Set wurde drei Tage später im St. Johns in Leeds wiederholt. Details von anderen Live-Gigs 1981 sind nicht bekannt, so spielten die Sisters noch gerüchteweise am 02. Juli im F-Club und tauchten auf den Plakaten für das von John Keenan veranstaltete 3. Futurama Festival am 06. September auf. Ben Gunn, bürgerlich Benjamin Matthews, wurde als zweiter Gitarrist verpflichtet. Es wird erzählt, daß Gunn zuerst etwas skeptisch gegenüber Eldritch's Einladung war, als er aber erfuhr, für welche Band er spielen sollte, war er einverstanden. Somit war die Besetzung der Sisters komplett. BODY ELECTRIC Mittlerweile war es 1982. Nach einem einzelnen Gig im Vanburgh College in York am 05. Februar, über den auch in der britischen Musikpresse berichtet wurde, machten sich die Sisters an die Produktion des Nachfolgers zu "The Damage Done". Im April erschien dann die Single "Body Electric", B-Seite "Adrenochrome", allerdings nicht auf Merciful Release, sondern wegen finanzieller Schwierigkeiten auf CNT Productions. Der Name CNT steht übrigens für Confederacion Nacional de Trabajo, einer antifachistischen Widerstandsgruppe aus dem spanischen Bürgerkrieg. Trotz fremden Labels ist das Artwork der Single im Merciful-Release-Stil gestaltet. Die Single kam in der Provinz gut an, fand aber wenig Resonanz in der britischen Musikpresse. Die Sisters waren halt als "Northern Band" klassifiziert, mit wenig Bekanntheit im Süden und erst recht nicht in London. Ihren ersten Gig in London hatten die Sisters als Support für eine Band namens V.C.O. im Embassy Club, der Tag des Konzerts ist nicht mehr zu ermitteln. Nur eine Handvoll Leute sahen den Auftritt, aber einer von ihnen war Tony James, der damals noch bei GENERATION X spielte. Einige Jahre später sollten sich die Wege von Andrew Eldritch und Tony James abermals kreuzen, aber dazu später mehr. Das zweite Gastspiel der Sisters in London war ein Gig im Zig Zag Club am 10. Juli. Auch dieses Konzert war schlecht besucht und wieder gab es keinerlei Berichte in der Musikpresse. Weitere Auftrittsmöglichkeiten waren zu dieser Zeit rar, deshalb widmete sich Andrew Eldritch wieder verstärkt seinem Merciful Release Label, auf dem es mittlerweile neben den Sisters eine weitere Band gab: Die MARCH VIOLETS. MARCH VIOLETS - RELIGIOUS AS HELL "Religious As Hell", ein Track der ersten MARCH VIOLETS Single. Eigentlich sogar eine EP, enthält diese noch die Stücke "Fodder", "Children On Stun" und "Bon Bon Babies". Ironischerweise waren die MARCH VIOLETS am Anfang ihrer Karriere erfolgreicher als seinerzeit die Sisters, denn die Single konnte sich im August 82 in den britischen Independent Single Charts platzieren. Beide Bands spielten in der Folgezeit gemeinsam mehrere Konzerte, aber die Zeit der Violets auf Merciful Release war doch ausgesprochen kurz. Im Januar 83 wurde noch eine weitere Single mit den Stücken "Grooving On Green" und "Steam" veröffentlicht, dann verschlechterte sich das Arbeitsklima und Eldritch warf die Violets raus. Die formten daraufhin ihr eigenes Label Rebirth Records und veröffentlichten dort noch ein paar weitere Singles. Aber zurück zu den Sisters. Die wurden im Sommer 82 für eine Session des legendären Radio DJs John Peel engagiert. Dessen Urteil hatte Gewicht, und in seiner Show zu spielen war eine echte Chance, konnte doch eine einzige Session eine Band in wenigen Wochen von totaler Unbekanntheit zum Erfolg verhelfen. Gesendet am 07. September 82, enthielt die Session die Tracks "Alice", "Floorshow", "Good Things" sowie das STOOGES-Cover "1969". Diesmal waren die Reaktionen enthusiastisch, und "Alice" wurde als die nächste Singleveröffentlichung vorgesehen. ALICE (Peel Session) Diese Biographie der SISTERS OF MERCY erhebt keinerlei Anspruch auf Detailtreue und Vollständigkeit. Alle Fakten und Daten stammen aus persönlichen Recherchen in diverser Literatur und auf diversen Fanseiten im Internet. Dem Verfasser ist mittlerweile bekannt, daß das eine oder andere Detail dieser Biographie nicht korrekt ist. Zum Vergleich empfehle ich einen Besuch auf der offiziellen Homepage der SISTERS OF MERCY, die zum damaligen Zeitpunkt in dieser Form nicht zur Verfügung stand. |
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